Petra

Petra

Petra, das Unesco-Weltkulturerbe, zählt zu den sieben neuen Weltwundern und ist der ganze Stolz der Jordanier. Jeder, mit dem man sich unterhält wird ganz gespannt fragen: “And have you already visited Petra…?” Und Petra ist wirklich eindeutig einen Besuch wert! Die Stadt ist wirklich atemberaubend, auch gerade, wenn man sich ein wenig mit der Geschichte und der Entstehung beschäftigt hat.

Die beste Reisezeit ist im Frühling und im Herbst, da die Temperaturen dann angenehm warm, aber nicht zu heiß sind.

Von Amman aus fährt man übern die Wüstenautobahn/ den sogenannten Desert Highway nach Petra ca. 3h. Der Desert Highway (hier fahren viele LKWs von Akaba aus) ist nicht mit einer deutschen Autobahn zu vergleichen, eher mit einer Landstraße. Man muss bei der Fahrt tierisch aufpassen, da (vor allem vor oder in Ortschaften) überall Speed Bumps lauern. Am Besten startet man um 6 Uhr morgens in Amman, um dann um 9 Uhr am Eingang von Petra zu sein. So hat man den ganzen Tag Zeit, sich die Hauptattraktionen der Felsenstadt anzuschauen und dann ggf. noch wieder zurück- oder weiterzufahren. Man benötigt mindestens 5-6 h (für die Hauptattraktionen). Man könnte aber auch ein, zwei oder mehr volle Tage dort verbringen, da es in dem großen Gebiet wirklich viel anzusehen gibt. An einem Tag kann es sein, dass man gut und gerne 10 km zurücklegt.

Auf der Fahrt von Amman aus sieht man zwischendurch ein paar kleine Ortschaften, nämlich dort, wo Wasser vorhanden ist.

Nach einiger Zeit ist dann irgendwann rechts die Abfahrt eindeutig ausgeschildert, dann folgt man der Straße noch ca. für weitere 40 km. Der ganze Weg nach Petra ist recht gut ausgeschildert (auch auf Englisch). Zwischendurch wird die Landschaft gebirgig bzw. führt über Berg/ Bergstraße mit ca 1600 Höhenmeter, hier lag Ende Januar noch Schnee.

Zwischen Autobahnabfahrt und Petra ist das Land etwas grüner mit ein paar Bäumen und Sträuchern.

Dann an der Gabelung rechts halten, es sind nun noch 3 km bis Petra. Noch erwartet man die Stadt noch nicht so wirklich, denn Petra liegt quasi versteckt in der Wüste. Doch vom Berg aus kann man im Tal rechts schon einen riesigen Felsen sehen, in dem sich die Felsenstadt Petra verbirgt.

Man erreicht den Ort bzw. das Örtchen Wadi Musa, in dem sich viele Hotels und einige kleine Läden und Souveniershops befinden. Auch direkt am Eingang zur Felsenstadt gibt es noch einige Hotels. Wer mag, kann sich ja auch hier ein Hotel buchen, dann kann man morgens zu Fuß zum Eingang gehen. In Wadi Musa gibt es auch ein paar archäologische Fundstücke zum Besichtigen.

Nun immer geradeaus der Straße folgen, an Gabelung rechts und Berg herunter, dann an Gabelung rechts Berg rauf und dann links. Dann kann man auf dem Parkplaz dort parken, der Eingang ist ausgeschildert bzw. befindet sich rechts.

Nach dem Eingang, an dem man das Eintrittsgeld von 50 JOD zahlt (55 JOD für 2 Tage, es gab 2018 Rabatt für Turkish-Airlines-Reisende oder auch Rabatt bzw. vergünstigten Eintritt mit der Jordan Card) erreicht man einen Platz mit einem Visitor Center, Toiletten und ein paar kleinen Läden (die auch gern mal 3 JOD für einen kleinen Kaffee nehmen 🙂 ). Am Eingang kann man sich, wenn man möchte einen Guide nehmen/ buchen. Am Besten würde ich mich diesbezüglich aber schon vorher erkundigen.

Am Eingang sollte man sich am Besten eine Karte mitnehmen, um keine der Hauptattraktionen zu verpassen.

Man überquert den Platz und hält sich rechts, es sind nun ca. 700-900 m Fußweg über einen befestigten Weg.

Bei der Wanderung zum Siq sieht man bereits in diesem die ersten Felsen mit den Djin-Blöcken/ Geisterblöcken, das Schlangen- und das Obeliskengrab und das Triklinium. Die Vorfreude auf die Felsenstadt steigt.

Der Weg führt bis zum Eingang bzw. Beginn des Siq, der Felsenschlucht mit einer Höhe von ca. 70-80 m. An der engsten Stelle sind die Felswände 2 m breit. Der Slot Canyon ist die einzige Möglichkeit, nach Petra zu kommen. Ein Pferderitt für das erste Stück bis zum Eingang des Siq ist im Ticketpreis inklusive und so kann man gegen ein Trinkgeld von 3 JOD den Pferderitt nutzen, falls man das möchte. Da ich in Deutschland schon viele Stunden und km auf dem Pferderücken verbringe, entschloss ich mich, den kurzen Weg zu Fuß zu gehen. Die Reitbahn befindet sich neben dem Fußweg, man könnte also auch jemand aufs Pferd setzen und nebenher gehen. Am Eingang der Felsschlucht geht es dann zu Fuß weiter. Man kann am Beginn des Weges statt dem Pferd auch für die komplette Strecke eine Kutschfahrt buchen, diese soll ein besonderes Erlebnis sein, denn es geht mit viel Tempo über das holprige Gestein. (“Rückenschmerzen sind danach für immer weg oder bleiben für immer!”) Der Pferdekarren bringt die Insassen also durch den Siq direkt bis in die Felsenstadt, dies ist allerdings nicht im Ticket inklusive und muss extra gezahlt werden. Dies ist also eher was für Fußkranke.

Den Weg kann man nicht verfehlen, denn es gibt nur einen. Pferdekarren, Esel usw. haben immer Vorrang.

Im Siq findet man viele Staubecken, um das Wasser zurückzuhalten, falls es regnet. Die Felsenschlucht entstand durch die Wassermassen, die in das Tal strömten (meist nach starkem Regen)und arbeitete sich so über viele Jahre in das Gestein. Die Nabatäer nutzten dann den Siq als versteckten bzw. gesicherten Zugang zu ihrer Felsenstadt. So lag bzw. liegt Petra geschützt vor Gästen, die nicht willkommen sind. Auch im Siq gibt es noch eine Felsformationen anzusehen.

Nach ca. 1,5 km Wanderung erblickt man am Ausgang hinter einer kleinen Kurve dann das in den roten Fels geschlagene Mausoleum Khazne al-Firaun, das “Schatzhaus des Pharao” mit fast 40-45 Meter Höhe und 25-30 Meter Breite.

Dieses Gebäude ist eins der größeren Bauten in Petra bzw. eine der Hauptattraktionen. Für mich persönlich war der erste Blick, durch den Siq auf das Khazne al-Firaun, der schönste Moment meines Besuchs in der Felsenstadt. Nun ist man also angekommen in Petra, der alten Hauptstadt der Nabatäer.

Das Khazne al-Firaun, das „Schatzhaus“, auch Al Khazneh genannt ist allerdings keine Schatzkammer, sondern ein Mausoleum. Dieses wurde wahrscheinlich für den Nabatäerkönig Aretas IV. erbaut, welcher im 1. Jahrhundert v. Chr. regierte, und sollte als Tempel genutzt zu werden. Somit befanden sich wahrscheinlich also keine Schätze im Khazne al-Firaun. Das Gebäude darf man nicht betreten.

Bekannt ist das “Schatzhaus” auch aus dem dritten Indiana Jones Film (“Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“) als Ort, in dem der heilige Gral gehütet wird. Während der Dreharbeiten wurde Petra wohl für den Tourismus gesperrt, auch das jordanische Königspaar ließ sich damals einen Besuch am Set nicht nehmen.

Auf dem Platz tummeln sich viele Leute. Durch die große Bekanntheit zieht es viele Touristen, meist von Kreuzfahrtschiffen von Akaba aus, in die Felsenstadt. Auch viele Verkäufer von Armreifen, Tüchern oder Steinen (die man selber ein Stück weiter finden könnte, von denen ich aber nicht weiß, ob sie überhaupt exportiert werden dürfen) tummeln sich dort und bieten den Touristen die Sachen an. Am Besten lehnt man freundlich aber klar und deutlich ab, dann lassen diese einen eigentlich auch schnell in Ruhe. Auch Esel- oder Kamelritte werden angeboten, um den weiteren Weg zu bestreiten. Einige geben auch an, Guide zu sein und einen zum Aussichtspunkt auf das Khazne al-Firaun, natürlich gegen Bezahlung, bringen zu können. Hiervon wird allerdings abgeraten, denn diese “Guides” wählen einen steilen und gefährlichen Weg. Wer trotzdem gern dort hin möchte, kann den offiziellen Wanderweg nehmen, er dauert wohl ca. 2 h (one-way).

Von hier aus geht es, wenn man sich rechts hält, durch eine kleinere, breite Schlucht zur Fassadenstraße bzw. ins Zentrum von Petra. Hier befindet sich ein Platz, dort wo sich die Schlucht wieder öffnet. Hier kann man einige Souveniers oder Snacks kaufen oder die Toiletten benutzen.

Von dem Platz aus sieht man, dass sich an den Felswänden von beiden Seiten viele Gebäude/ Gräber befinden. Auch ein paar Wanderwege kann man von hier aus gehen, wenn man genug Zeit hat. Man erblickt die Fassadenstraße, in der sich treppenartig die Grabstätten aneinaderreihen.

Wenn man genug Zeit hat, kann man zum Opferplatz, der sich links befindet und etwas höher liegt, gehen. Es führt ein Weg dahin, der in der Nähe der Khazne al-Firaun startet.

Etwas weiter weg, eher links gelegen, erblickt man das römische Theater, das von den Nabatäern im römischen Stil errichtet wurde, also nicht von Römern sondern von Nabatäern erbaut wurde. In diesem Theater konnten mehrere tausende Zuschauer Platz finden (3000-5000, es war wohl anfangs kleiner und wurde dann erweitert).

An der rechten Felseite befinden sich die Gräber der Königswand/ die Königsgräber und das Urnengrab. Das Urnengrab erreichst man nach einem Aufstieg von ungefähr 200 Stufen. Oben befindet sich ein großer Platz bzw. Vorhof, das Gebäude wirkt von weitem gesehen quasi in den Felsen zurückgesetzt.

Urnengrab:

 

Die Gräber der Königswand:

Wer genug Zeit hat, kann die Wanderung zum Tempel Ad Deir antreten, für die unsere Zeit leider nicht gereicht hat, da der Aufstieg ca. 1 h dauern soll. Der Tempel ist eins der Highlights der Felsenstadt. Die Wanderung geht ca. 800 Stufen hinauf (somit also genug Wasser und Snacks einpacken!).

Das einzige Gebäde, das in Petra nicht aus Stein geschlagen, sondern gemauert ist, ist das Qasr al-Bint/ Qasr Bint Firaun.  Dieser Tempel war wahrscheinlich den Göttern al-Uzza und Duschara geweiht und wurde zwischen 30 und 8 vor Chr. erbaut.

Wann genau Petra entstand ist noch etwas unklar, es ist aber verdammt lange her. Petra war die Hauptstadt der Nabatäer in der Antike und wurde  ungefähr im  im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Nabatäern gegründet. Die Nabatäer waren ein Nomadenvolk, welches dort ansässig wurde. Sie hatten wahrscheinlich anfangs Zelte in dem Tal errichtet und einige Höhlen in den Fels geschlagen. Vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach Chr. war Petra ein bedeutender Handelsplatz für den Handel bis nach Syrien. Einige archäologische Befunde sagen sogar aus, dass Petra schon in der Altsteinzeit teilweise besiedelt und ab etwa 9000 vor Chr. dauerhaft bewohnt war. Die erbauten Höhlen wurden im 3. Jahrhundert vor Chr. dann durch festen Bauten ersetzt.

Nach den Kreuzzügen hatte kein Europäer mehr die Felsenstadt Petra betreten. Petra wurde zu einer Sage bzw. einen Gerücht, kaum noch jemand kannte die Stadt. Jean Louis Burckhardt entdeckte die Stadt 1812 dann neu. Thomas Edward Lawrence (bekannt als Lawrence von Arabien) schwärmte über 100 Jahre später in seinem 1926 erschienenen Buch “Die sieben Säulen der Weisheit”: „Petra ist der herrlichste Ort der Welt“ und er ergänzte „jede Beschreibung sei sinnlos, da sie der Wirklichkeit nicht gerecht werden könnte“.

Seit 1920 erfolgten dann Ausgrabungen in der Felsenstadt und danach begann (um 1930) die touristische Erschließung. Bisher sind nur ca. 10 – 20% von Petra ausgegraben worden und vor kurzer Zeit haben Forscher mit Hilfe einer Drohne wieder neue Gebäude entdeckt.

Seit 6.12.1985 zählt Petra zum UNESCO-Welterbe und gilt heute als wichtigste Stätte für den Tourismus in Jordanien.

 

 

Bericht von 2018